Besucher  

gestern: 16
diese Woche: 123
letzte Woche: 145
dieser Monat: 375
letzter Monat: 470
Total: 41996

67.5%Germany Germany
20.4%United States United States
3.9%Canada Canada
1.6%Austria Austria
0.8%Denmark Denmark
0.7%Switzerland Switzerland
0.7%Italy Italy
0.5%Sweden Sweden
0.5%European Union European Union
0.5%United Kingdom United Kingdom
   

Ludwigshafen und die 1865 gegründete Badische Anilin und Soda-Fabrik (BASF) sind seit ihrer Gründungzeit eng miteinander verbunden. Die Stadt und ihre Einwohner profitierten sowohl vom Aufschwung der chemischen Industrie, sie mussten aber auch viel Leid ertragen, welches das Werk über die Stadt brachte.

Bei der größten Explosionskatastrophe in der Geschichte der BASF am 21.9.1921 mussten 561 Menschen ihr Leben lassen. 4.000 t Ammonsulfatsalpeter explodierten, wobei rund 80 % des Werkes sowie große Teile der Stadt zerstört wurden. Ein weiteres größeres Unglück ereignete sich am 29.7.1943; dabei verloren 67 Menschen ihr Leben.

Während des Krieges wurde Ludwigshafen durch insgesamt 124 Luftangriffe der Alliierten zu 90 % zerstört, knapp 5.000 Tote waren zu beklagen. Während der Aufbauphase in den Nachkriegsjahren traf es die leidgeprüfte Stadt erneut, als am 28.Juli 1948 um 15.43 Uhr eine gewaltige Explosion das Werk, die Stadt selbst und das Umland erschütterte. Auf dem Werksgelände der BASF im Bau 14, nicht einmal 200m vom Hauptverwaltungsgebäude entfernt, erfolgte eine kleinere Ethanolexplosion. Diese zog eine Raumexplosion nach sich, bei der ein Großraumwagen mit 20 – 30 t Dimethylether in die Luft flog. Gleichzeitig schoß eine riesige Detonationswolke bis zu 1 km in die Höhe. Dörfer und Städte von der Haardt bis zum Odenwald wurden durch den Explosionsknall erschüttert. Die ungeheure Explosion hob einen 100 m hohen Schornstein mit einem Durchmesser von 2 m in die Höhe und rammte ihn 1 m tief in den Boden.

Die grausige Bilanz der Katastrophe: 207 Tote, 3.800 Verletzte, 7.350 beschädigte Häuser in Ludwigshafen und Mannheim. Im Werk selbst wurden 20 Gebäude total, 120 schwer und 80 leicht beschädigt.

Unmittelbar nach dem Unglück liefen die Rettungsmaßnahmen an. Feuerwehren aus der ganzen Pfalz bekämpften bis zum nächsten Morgen die gewaltigen Brände auf dem Werksgelände, französische Einheiten kooperierten mit deutschen und amerikanischen Rettungsmannschaften aus Mannheim und Heidelberg.

Die Ludwigshafener Rheinpfalz rief eine Spendenaktion zugunsten der Explosionsopfer ins Leben, die von Bevölkerung und Gemeinden aus allen vier Besatzungszonen unterstützt wurde.

Die improvisierten Hilfsleistungen von Stadtverwaltung und Werksleitung wurden dann einheitlich im „Hilfswerk Ludwigshafen“ zusammengefasst. Ein Teil dieser Hilfsmaßnahmen war auch die Ausgabe von Sondermarken mit Zuschlag. Am Ende dieser Aktion betrugen die gesamten Hilfsleistungen rund 2,75 Mio. DM zugunsten der Opfer und der Hinterbliebenen. Dies war für die damalige Zeit, ein knappes halbes Jahr nach der Währungsreform, ein bemerkenswerter Betrag.

 


 

Gemäß der Absenderangabe gab es zur Koordination des Hilfswerkes Ludwigshafen extra eine Beauftragten bei der Landesregierung.

 

 

 

Für die Markenbilder der Ausgabe zum „Hilfswerk Ludwigshafen“ zeichnete der Künstler Karl Graf aus Speyer verschiedene Entwürfe. Die in den Entwürfen vorgesehenen Portostufen entsprachen den seit 15.9.1947 gültigen Tarifen für die Fernpostkarte (12 Pf.), den einfachen Fernbrief (24 Pf.), die Auslandspostkarte (30 Pf.) und den Auslandsbrief (50 Pf.). Ein Teil dieser Entwürfe war jedoch wohl so kurze Zeit nach Kriegsende zu streng interpretiert und wurde daher sofort aus der Konkurrenz genommen.

Entwurf des Motivs „Krankenschwester beugt sich über Patienten“ im Hochformat

 

Aus der Konkurrenz genommene Erstentwürfe (Kopien)

 

Von den Motiven, die in die engere Wahl kamen, wurde ein Probedruck auf Kartonpapier gedruckt. Außer diesen von 01 – 99 nummerierten Probedrucken sind auch Drucke in dunkelgrauer Farbe mit Unterschrift des Entwerfers sowie vierfarbige Drucke in blau (12 Pf.), rot (24 Pf.), braun (30 Pf.) und dunkelblaugrau (50 Pf.) bekannt. Auffällig dabei ist, dass jeweils die beiden letztendlich nicht verausgabten Marken in den Farben der endgültigen Ausgabe zum Probedruck kamen.

 


 

Das Motiv im Querformat „Krankenschwester beugt sich über Patienten“ war als Entwurf ursprünglich im Hochformat gezeichnet worden. Dieses Motiv sowie das Motiv „Krankenschwester am Krankenbett“ kamen über das Stadium der Probedrucke nicht hinaus. Die beiden im Probedruck oben abgebildeten Motive zeigen die beiden endgültigen, zur Ausgabe gelangten Markenmotive „St. Martin zu Pferd“ und „St. Christophorus mit Jesuskind“.

Weder die nicht zur Ausgabe gelangten Probeentwürfe noch die Entwürfe der endgültigen Motive entsprachen den Portostufen der verausgabten Serie. Dies rührt möglicherweise auch von der Unsicherheit der Umstellung der Postgebühren zum 4.10.1948 her. Dem Entwerfer waren wohl die genauen Portosätze noch nicht bekannt. Die Portostufen der dann verausgabten Marken deckten nach der Gebührenermäßigung die Taxe für den einfachen Inlandsbrief oder eine Auslands-Postkarte ab (20 Pf.) bzw. für einen Brief bis 20 g ins Ausland (30 Pf.).

Vom Künstlerentwurf wurden durch fotografische Verkleinerung vier Negative in der Größe 45 x 80 mm hergestellt und zu einem Viererblock zusammengesetzt.

Von diesem Negativ-Viererblock produzierte man mit der Kamera fünfzehn Diapositiv-Viererblocks im endgültigen Bildformat. Bei der Plattenmontage setzte man dann zehn Viererblocks so neben- und untereinander, dass vier waagrechte Reihen mit jeweils 10 Marken entstanden. Zur Auffüllung der fünften Markenreihe trennte man die Viererblocks in waagrechte Paare. Unterscheidet sich ein Negativ in einem Detail von den anderen Negativen muss diese Abweichung via Diapositivherstellung und Pigmentauftrag entsprechend der Lage im Negativ-Viererblock auf den entsprechenden Bogenfeldern wiederkehren. Sie sind somit die Ursache für die Entstehung von primären Feldmerkmalen oder Plattentypen.

 

Plattentyp A

Dicke Farbpunkte am Hemdrand des Bettlers

 

Typenanordnung

im 50er Bogen

 

 

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

   

Plattentyp B

Farbpunkte nur schwach ausgeprägt

 

Plattenfehler A

Linker Arm des Jesuskindes durch kräftigen Strich vom Körper getrennt

Typenanordnung

im 50er Bogen

 

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

A

B

   

Plattentype B

Arm und Körper ohne Strich verbunden

 

Beeindruckend die kurze Zeitspanne vom Ausgabeanlass (28.7.) über die Entwurfsphase (September) bis zur Markenausgabe am 18. Oktober 1948. Heute – trotz vieler technischer Fortschritte – kaum denkbar.


 

 

Im Handbuch „Abarten, Plattentypen und Plattenfehler der Länderausgaben – Handbuch und Katalog“ von Dr. Hans Flatters sind etliche Plattenfehler der beiden Marken katalogisiert. Die drei auffälligsten Plattenfehler sind auch im Michel Deutschland-Spezialkatalog aufgeführt.

 

Plattenfehler 1

Heiliger Christophaus "blind" (nur auf Feld 23,

bei den A-Bogen)

 

Plattenfehler 2

Flicken rechts im Mantel des Heiligen Christopharus

(Feld 43, nur B-Bogen

Plattenfehler 3

Fleck auf linker Brust des Jesuskindes

(Feld 49, nur A-Bogen)

 

Die Marken wurden im Rastertiefdruckverfahren bei der Druckerei Burda in Offenburg in Druckbogen zu 100 Marken = 2 Schalterbogen zu je 50 Marken gedruckt. Nach dem Markendruck wurden die Druckbogen mit dem Bogenranddruck versehen. Dieser besteht aus dem Druckdatum auf dem unteren rechten Bogenrand (links neben Bogenfeld 41) sowie einer mit der höchsten Nummer beginnenden, abwärts fortlaufenden Bogennummer auf dem linken Unterrand (links neben Bogenfeld 1). Die Schalterbogen unterscheiden sich durch einen der Bogennummer vorangesetzten Buchstaben in „A“-Bogen bzw. „B“-Bogen.

 

 
Gleiche Bogennummer 002564 jeweils vom A- und B-Bogen

 

Eckrandstücke von Feld 1 mit Bogennummer auf portorichtigem Einschreibe-Fernbrief (40 Pf Einschreiben und 20 Pf Briefporto), Frankenthal-Flomersheim 15.11.48

 

  Am Freitag, den 8.10.48, begann der Bogenranddruck beim 30 Pf-Wert mit dem bisher bekannten Bogen-Nummernbereich von 010297 – 08961 = 1637 Bogen. Außerdem wurde ein Reservestapel für Korrekturzwecke beiseite gelegt; bekannt sind bisher die Bogennummern 009966 – 010297 = 332 Bogen. Der Randdruck wurde am Samstag, den 9.10.48, fortgesetzt. Geplant war wohl eine Tagesauflage 7000 Bogen, registriert ist bisher der Bogennummernbereich von 008919 – 002103 = 6817 Bogen. Am Montag, den 11.10.48, wurde der Randdruck für die 30 Pf-Marke mit dem bisher erfassten Bogennummernbereich von 001951 – 001013 = 939 Bogen abgeschlossen. Auf Grund der geringen Tagesauflage wurde am gleichen Tag auch der Bogenranddruck der kompletten Auflage des 20 Pf-Wertes mit der geplanten Auflage von 10000 Bogen durchgeführt. Bis heute ist von diese Wert der Bogen-Nummernbereich von 010294 -–001001 = 9294 Bogen dokumentiert, während für notwendige Korrekturen die Bogennummern von 010294 – 010231 = 64 Bogen belegt sind

 


 

 
     
   

 

Die Gesamtauflage beträgt bei beiden Werten maximal 10000 Schalterbogen, somit 500000 Sätze. Durch Kenntnis der Tagesauflagen lässt sich auch die Häufigkeit eines Druckdatums ableiten: Druckdaten des 30 Pf.-Wertes vom 8.10.48 bzw. 11.10.48 sind bei einer geschätzten Tagesauflage von höchstens 1000 bis 2000 Bogen seltener anzutreffen als Druckdaten vom 9.10.48.

Fehlerhafte Bogen wurden bei der Bogenkontrolle aussortiert und durch Korrekturbogen mit handschriftlicher angebrachter Bogennummer des ausgetauschten Bogens ersetzt. Derartig korrigierte Bogennummern sind – wie bei allen Sondermarken der französischen Zone – auch bei der Ausgabe Hilfswerk Ludwigshafen recht selten. Spezialisten unterscheiden hier noch verschiedene Typen der Handschriften. Die bei den beiden 30 Pf.-Werten gezeigte Handschrift ist dabei die auffälligste und am häufigsten vorkommende Type.

 

 

Bogenkorrektur des fehlerhaften

A-Bogens Nr. 010262 in die fünfstellige Bogennummer 03268
 

Bogenkorrektur der Urnummer

B 01028? In die fünfstellige Bogennummer 07557, nun in anderer Handschrift

 

Bogenkorrektur des Urbogen A 010214 in die neue Bogennummer 004595

und eingeschoben in den laufenden Bogenranddruck am 9.10.48

 

Bogennummer B 010228 aus dem Reservestapel vom 8.10.48, korrigiert

in B 006489, eingeschoben in den Bogenranddruck vom 9.10.48

 


 

Neben den Marken wurde auch – wie für alle Marken der französischen Zone – ein Ministerblock in der geschätzten Auflage von maximal 50 Stück hergestellt. Der im Rastertiefdruck auf ungummiertem Kartonpapier hergestellte Vorzugsdruck zeigt unter den Marken einen anlassbezogenen Erläuterungstext und trägt als einziger Ministerblock der französischen Zone einen Druckvermerk mit Datumsangabe.

 

 

 

Sowohl auf Grund der Knappheit der neuen DM nur wenige Monate nach der Währungsreform als auch wegen der extrem hohen Zuschläge und der kurzen Gültigkeitsdauer der Marken bis zum 31.1.1949 sind portogerechte Bedarfsbriefe mit Einzel- oder Mehrfachfrankaturen aus dieser Epoche recht selten und gesucht.

 

Einzelfrankatur auf Fernbrief von Speyer nach Friedrichshafen, 3.1.49

 

Einschreibebrief bis 20 g Gewicht nach Freiburg, Koblenz-Ehrenbreitstein 5.1.49

 

Einschreiben Ludwigshafen – Dortmund mit Doppelfrankatur

 

Portorichtige Satzfrankatur auf Nachnahme-Fernbrief (30 + 20 Pf) von

Ludwigshafen nach Lauingen vom 20.1.49; der Dreieckstempel „28“ gibt

die Lagerzeit beim Postamt Lauingen bis zur letztmöglichen Abholung an

   
© Briefmarkn- und Münzclub 1905 Ludwigshafen/Rh. e.V.